Winckelmann und Ägypten

Über die Ausstellung

Ausstellungstermine

Ort Termin
6. Dezember '04 bis 25. April '05
6. Juni '04 bis 14. November '04
5. März '05 bis 25. September '05
Hildesheim, Roemer- und Pelizaeusmuseum 7. Oktober '05 bis 5. Februar '06
Frühjahr 2006 bis Sommer 2006

Max Kunze: Johann Joachim Winckelmann (1717 - 1768): Eine Biographie in Stichworten

Johann Joachim Winckelmann wurde am 9. Dezember 1717 in Stendal geboren. Dort besuchte er die Lateinschule und verbrachte einige Monate am Cöllnischen Gymnasium in Berlin. 1737 folgte ein zweijähriges Theologiestudium in Halle, 1741 studierte er in Jena, wo er die Fächer Mathematik und Medizin belegte. An der Schule in Seehausen fand er 1743 für fünf Jahre eine Stelle als Lehrer und Konrektor und hatte dabei Zeit für intensive Studien antiker und moderner Literatur.

1748 erhielt er bei Heinrich von Bünau in Nöthnitz bei Dresden eine Anstellung als Bibliothekar und betrieb für dessen Reichshistorie Forschungen zur Geschichte der Ottonischen Kaiser. Seine erste Schrift Gedanken vom mündlichen Vortrag der neueren allgemeinen Geschichte, in, der er den Entstehungszusammenhang von Kunst und Geschichte betonte, blieb unveröffentlicht. Nach seiner Übersiedelung nach Dresden entstanden 1755 die Gedanken über die Nachahmung der Griechischen Wercke in der Mahlerey und Bildhauer-Kunst mit einer Schilderung des antiken Griechenland, in dem die Kunst sich frei entfalten konnfe, freie Bürger in einem auf Freiheit und Demokratie gegründeten Staat lebten. Mitreißende Beschreibungen der Laokoongruppe und der Herkulanerinnen begleiten das als Gegenpol zur eigenen Zeit gedachte Bild antiker Kunst. In seiner Nachahmungstheorie begründete er die Notwendigkeit, die schöne Natur und die idealische Schönheit der griechischen Statuen, ihre »edle Einfalt und stille Größe« nachzubilden.

Zum Katholizismus konvertiert, kam er 1755 mit einem Stipendium des sächsischen Hofes nach Rom. Er begann eine Bestandsaufnahme der antiken Kunstwerke unter restauratorischen, ikonographischen und stilisti­schen Gesichtspunkten. Auf der Suche um eine dem Kunstwerk angemes­sene Beschreibung verfaßte er Schriften über die Laokoongruppe und andere Statuen des Belvedere-Hofes im Vatikan und schuf damit eine poetische Sprache, die das Wesen der Kunstwerke widerspiegeln soll. Die Beschreibungen beeinflußten die wissenschaftliche deutsche Prosa.

Aus seiner Bestandsaufnahme erwuchs ein neues System der historischen Ordnung, nach Kriterien des Stils der Völker, der Zeiten und Künstler, des Ursprungs und Wachstums, der Veränderung und des Verfalls der Kunst der einzelnen Völker verbunden mit dem Versuch der konkreten Einordnung der einzelnen Kunstwerke. In seinem 1764 erschienenen Hauptwerk Geschichte der Kunst des Alterthums exemplifizierte er diese Theorie, ein Werk, das ihn auf den Zenit seines Ruhmes führte. Er beschrieb den Stil in der Kunst der Ägypter, Phönizier, Perser und Parther, der Etrusker und italischen Völker ebenso wie den Stil in der griechischen Kunst, die er in vier Stile (den älteren Stil, den hohen, den schönen Stil und den Stil der Nachahmer) einteilte. Neben der Natur, dem Klima und der Erziehung, betonte er, sei es die Freiheit gewesen, die die Kunstblüte Griechenlands hervorgebracht habe.

1757 wurde er Bibliothekar an der Cancelleria, ein Jahr später trat er in den Dienst Alessandro Albanis. 1758 reiste er erstmals nach Neapel, Portici, Herculaneum und Pompeji und besuchte die Tempel in Paestum. 1762 erschienen seine Anmerkungen über die Baukunst der Alten, in denen er dazu beitrug, die Paestaner Tempel in das Bewußtsein Europas zu bringen. Er erkannte, daß Vitruvs Schrift De architectura zur Frage nach den Ursprüngen der griechischen Baukunst nicht ausreiche und daß diese in ihrer Eigenheit und ihrer Entwicklungsgeschichte nur durch zeichnerische Aufnahme und Wiederherstellung darzustellen sei.

In weiteren Schriften, Sendschreiben von den Herculanischen Entdeckungen (1762) und Nachrichten von den neuesten Herculanischen Entdeckungen (1764), hatte er über die Ausgrabungen in Herculaneum und Pompeji berichtet.

1760 war in Florenz die Description des Pierres gravées du feu Baron de Stosch erschienen, in der er methodisch wichtige Aspekte in die Archäologie eingeführt hatte, so die Erkenntnis, daß viele der dargestellten Themen oder Bilder aus der griechischen Mythologie zu erklären sind. 1767 veröffentlichte er zwei Bände der Monumenti antichi inediti, in denen er seine archäologisch-hermeneutische Methodik erprobte. Mit einem weiteren Werk, Versuch einer Allegorie, besonders für die Kunst, 1766, unternahm es Winckelmann, den zeitgenössischen Künstlern einprägsame anti­ke Themen als Anregung für ihre Werke an die Hand zu geben. Er trug dazu bei, den geistigen Nährboden des europäischen Klassizismus vorzubereiten.

Am 8. Juni 1768 wurde Johann Joachim Winckelmann in Triest ermordet.

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