Altägypten (be)greifen

40 Berührungspunkte für Blinde und Sehende

Staatliches Museum Ägyptischer Kunst München, 9. Feb. - 15. Oktober 2006
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Das Königtum im Alten Ägypten

Der ägyptische König garantiert die Ma-at, die Weltordnung und Gerechtigkeit. Er verfügte über eine Doppelnatur, das heißt, er war stets Gott und Mensch zugleich. Er ist der lebende Horus, das Abbild des Himmelsgottes Horus auf Erden und trägt daher den Namen dieses Gottes als Titel. Gleichzeitig ist er der Sohn des Sonnengottes Re. Er ist der einzige Mensch, der aufgrund seiner göttlichen Natur in direkten Kontakt mit den Göttern treten kann, was immer wieder in hunderten von Bildern an den Wänden der Tempel dargestellt wird, die den König mit Opfergaben vor den verschiedenen Göttern des Landes zeigen. Allein der Pharao garantierte durch den täglichen Vollzug des Kultes den Fortbestand der Welt.

Diese besondere Stellung des Königs wird durch zahlreiche Insignien in seiner Tracht und seiner Umgebung unterstrichen, die nur ihm zustehen oder von ihm getragen werden können wie Kronen oder Szepter. Daher ist der König in den Darstellungen stets vom normalen Ägypter zu unterscheiden. Auch in der Kunst wird auf die Doppelnatur des Königs verwiesen. Eine idealisierende Darstellung zeigt den König als Gott, eine realistischere, porträthafte Wiedergabe betont das menschliche Wesen des Herrschers. Dies ist in den verschiedenen Epochen unterschiedlich aufgefasst worden.

Zum Thema "Königtum" vorgestellte Objekte:

Oberteil einer Sitzfigur Ramses des Großen

Diese Büste stammt von einer überlebensgroßen Sitzfigur des Königs Ramses des Zweiten, der auch der Große genannt wird, was allerdings moderne Bezeichnungen sind. Dieser König lebte im Neuen Reich, er war der dritte Herrscher der neunzehnten Dynastie und regierte 66 Jahre lang, von 1279 bis 1213 vor Christus. Er ließ einige der bekanntesten und größten Tempel Ägyptens errichten, zum Beispiel die Tempel von Abu Simbel oder das Ramesseum in Theben-West.

In dieser Darstellung trägt Ramses eine Art Helm, der als Blaue Krone bezeichnet wird nach seiner Farbe in den Darstellungen. Typisch ist das Muster aus kleinen Kreisen und Punkten, die in die Oberfläche der Krone eingeprägt sind. Man vermutet, dass sie aus Leder, vielleicht mit einem Metallüberzug, gefertigt war. Diese Krone wird vom König meist in seiner Funktion als irdischer Herrscher getragen, etwa in Darstellungen von Feldschlachten.

Über der Stirn sind Kopf und Oberkörper einer sich aufbäumenden Schlange angebracht, deren Körper dahinter in mehrfacher Ringelung zu erkennen ist. Ihr Schwanz läuft nach oben bis zum Scheitelpunkt der Krone. Dieses Wesen wird Uräus-Schlange genannt, es handelt sich um eine giftspeiende Kobra. Sie ist die Kronengöttin, eine gefährliche, machtvolle Gottheit, die den König schützen sollte und seine Feinde mit ihrem Feueratem vernichtet.

Ramses trägt ein Obergewand aus feinem Stoff, dessen feine Fältelung über den Schultern zu erkennen ist. Darüber liegt als Schmuckstück ein breiter Perlenhalskragen. Außen an den Schultern ist jeweils eine gefiederte Kartusche mit dem Königsnamen angebracht. In der rechten, vor der Brust liegenden Faust hält er ein königliches Szepter, das die Form eines Stabes mit einem nahezu kreisförmig gebogenen oberen Ende besitzt und daher auch Krummstab genannt wird. Die kräftige Nase, die gerundeten Wangen und der kleine Mund sind charakteristisch für die Darstellung dieses Herrschers, das leichte Lächeln typisch für eine idealisierende Darstellung.

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Die Pyramide des Chefren

Untrennbar mit Ägypten verbunden sind die Bauten der Pyramiden. Die drei Pyramiden von Giza, die in der Antike zu den sieben Weltwundern zählten und als einziges dieser Monumente noch erhalten sind, wurden im Alten Reich, in der Mitte des dritten Jahrtausends vor Christus errichtet. Es sind die Grabbauten von Chefren, seinem Vater Cheops und von einem seiner Söhne mit Namen Mykerinos. Obwohl sie in populären Darstellungen stets mit dem Gottkönigtum in Verbindung gebracht werden, verhält es sich jedoch genau umgekehrt: Pyramiden sind die Grabstätten der Könige, was jedermann wusste - und woraus sich klar ergab, dass auch die Pharaonen sterblich waren wie jeder andere Mensch.

Gerade im Zusammenhang mit den Pyramiden kursieren immer wieder medienwirksame Gerüchte, die auch die Phantasie der Regisseure beflügelt haben, wissenschaftlich jedoch nicht zu halten sind. So zeigt der Blick auf das Schnittbild der Pyramide deren einfache innere Struktur. Sie besteht aus der Grabkammer im Massiv der Pyramide und darauf zuführende Gänge. Oder, um es aus der Sicht des verstorbenen Königs zu formulieren: Der Gang führt nach außen, ist nach oben auf den Nordhimmel ausgerichtet, wo sich der König im Jenseits mit den Göttern vereinigen und selbst zum Gott werden will. Die Pyramide kann in dieser Hinsicht als monumentale Himmelsleiter verstanden werden.

Es hat daher im Inneren der Pyramiden auch keine Irrwege, Falltüren oder ähnliches gegeben, die Grabräuber ablenken sollten. Auch wurden die Architekten, Baumeister und Arbeiter nach Fertigstellung des Bauwerkes nicht getötet oder bei lebendigem Leib eingemauert, da man nicht auf diese hervorragend ausgebildeten Spezialisten verzichten konnte. Auch wurden die Königinnen oder Königskinder nicht in der Pyramide bestattet, die ausschließlich dem Pharao vorbehalten war. Die Königinnen erhielten eigene, wenn auch sehr viel kleinere Pyramiden in der Nähe der Hauptpyramide. Andere Mitglieder des Königshauses wurden in Grabbauten bestattet wie sie nichtkönigliche hohe Beamte erhielten.

Die Pyramiden wurden nicht von Sklaven errichtet, sondern stellen ein Gemeinschaftswerk des ganzen Volkes dar. Wenn während der jährlichen Überschwemmung des Nils für mehrere Monate keine Feldarbeit für die Bauern möglich war, wurden sie zur Arbeit an den großen Pyramiden und Tempeln eingezogen - und in dieser Zeit vom Staat versorgt. Nur die besonders ausgebildeten Baufachleute arbeiteten während des gesamten Jahres. Diese Arbeiten gehörten zur Pflichterfüllung gegenüber dem Gemeinwesen, dem Staat, der in Gestalt des Pharao personifiziert wurde.

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Sphinx mit Opfergefäß

Um das göttliche Wesen des Königs darzustellen und seine Macht und Stärke zu betonen, schufen die altägyptischen Künstler ein Bild, das ein Mischwesen aus Löwenleib und Königskopf zeigt und mit einem griechischen Wort als Sphinx bezeichnet wird. Daher ist der ägyptische Sphinx als Darstellung des Königs immer männlich, im Unterschied zu den weiblichen Fabelwesen in Griechenland, die mit demselben Begriff bezeichnet werden. Nur in wenigen Einzelfällen ist die ägyptische Königin ebenfalls als Sphinx dargestellt worden.

Dieser Sphinx ist nicht ganz fertig gestellt, deswegen sind die Details noch nicht überall herausgearbeitet worden. Der menschliche Kopf des Löwen trägt das Königskopftuch, das die Ohren frei lässt und im Nacken zu einer Art Zopf zusammengefasst ist, der auf dem Rücken des Löwen aufliegt. Über der Stirn sitzt die aufgerichtete Kobra, die Uräusschlange. Am Kinn ist ein langer Bart befestigt. Dabei handelt es sich um einen künstlichen Bart, der umgebunden wurde. Er gehört zu den königlichen Insignien und wurde nur bei bestimmten kultischen Anlässen getragen.

Außergewöhnlich bei diesem Sphinx sind die menschlichen Arme, die anstelle der üblichen Löwenpranken den Oberkörper stützen und mit ihren Händen ein Gefäß halten. Dabei handelt es sich um eine Opfergabe, ein Kultgefäß, dass der König dem Gott darbringt - was er sonst auch in rein menschlicher Gestalt tun kann.

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Sitzstatue des Königs Chefren

Die leicht überlebensgroße Statue zeigt den König über einem Basisblock auf einem Thron mit hochgezogener Lehne sitzend. Er thront hoch aufgerichtet und ist streng frontal ausgerichtet. Die linke Hand ruht flach ausgestreckt auf dem Oberschenkel, die rechte Hand ist zur Faust geballt. Er trägt das Königskopftuch, das aus gestärktem und plissierten Stoff bestand. Es wird über der Stirn von einem Band eingefasst, lässt die Ohren frei und fällt in zwei breiten, quer geriefelten Lappen bis auf die Brust herab. Über der Stirn ist die Uräusschlange angebracht, die als mächtiges Wesen den König beschützt. Am Kinn ist der künstliche Bart befestigt. Bekleidet ist der König lediglich mit einem kurzen, fein gefältelten Schurz, dessen mittleres Teil vorn zwischen den Knien liegt.

Ein außergewöhnliches Detail ist im Nacken des Königs zu erkennen. Auf der hohen Lehne des Thrones sitzt ein Falke, der seine Schwingen schützend um den Hinterkopf des Königs legt. Sie verschmelzen mit dem Kopftuch, so dass der Falke nur in der Seitansicht zu erkennen ist. Er ist eine Erscheinungsform des Himmelsgottes Horus.

Außergewöhnlich detailreich ist bei dieser Statue der Thronsessel gearbeitet. Es handelt sich um den sogenannten Löwenthron, bei dem die Beine in Gestalt von Löwenfüßen ausgeführt sind. An der vorderen oberen Kante ist jeweils ein plastisch gearbeiteter Löwenkopf zu sehen. Die Seitenflächen zeigen ein an dieser Stelle sehr oft angebrachtes Motiv, das die Wappenpflanzen von Ober- und Unterägypten, Lotos und Papyrus, um eine Hieroglyphe geschlungen zeigt. Dieses Symbol ist zu Lesen als "Das Vereinigen der beiden Länder". Es versinnbildlicht die politische Einheit Ägyptens und verweist auf die integrative Fähigkeit des Herrschers, diesen Zustand herbeizuführen und zu garantieren.

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